«Im Winter schlottern sie, im Sommer stinken sie»

Was unsere Kundinnen und Kunden über uns erzählen

Auszug aus dem «Velokurierbuch». Inklusive «Kuriernovelle» von Urs Mannhart.
Erhältlich bei Velokurier Bern, Dammweg 41, 3013 Bern; bei shop@velokurierbern.ch sowie in jeder guten Buchhandlung.

Nicole Ziegler

Jugendlich, sportlich, aufgestellt, charmant, zuverlässig, schnell. Verdammt schnell. Das sagen die StammkundInnen des Berner Velokuriers über die FahrerInnen, die täglich bei ihnen ins Geschäft stolpern, Sendungen bringen, holen oder umladen. Und die Schnelligkeit ist es auch, die den Ausschlag gibt, dass die KundInnen – meistens seit Jahren und teilweise gar ausschliesslich – mit dem Berner Velokurier zusammenarbeiten.

«Manchmal steht ein Velokurier in der Tür, kaum habe ich den Hörer nach meinem Auftragsanruf aufgelegt.» Bruno Schranz von der Druckerei Lettra Design meint, was er sagt. Die Arbeit des Berner Velokuriers überzeugt ihn. «Sie sind extrem gut organisiert und immer pünktlich.» Lettra Design schickt seine Sendungen seit über zehn Jahren mit dem Velokurier. «Wenn die Sachen für den Velokurier zu gross sind, schicken wir sie ungern mit dem Autokurier – das dauert manchmal mehr als eine Stunde, bis jemand kommt.»

Das Gleiche sagen die Verantwortlichen der lokalen Klein- und Mittelbetriebe von Basisdruck, Blumen Ehrhardt, Valiant Holding und Dentallabor Nowacki-Kernen. Das Gleiche sagen aber auch die Verantwortlichen der internationalen und nationalen Firmen von Ernst & Young, Burson-Marsteller und dem Basler Labor Viollier. Und Magali Fehlbaum vom EDA-Passbüro will ebenfalls nur noch die Velokuriere: «Sie sind schneller als die Post, dabei in etwa gleich teuer und in der Stadt perfekt.» Dass künftig der Velokurier die Aufträge des Passbüros erledigt, hat Magali Fehlbaum höchstpersönlich entschieden. «Als 2003 unsere Chauffeure eingespart wurden, musste ich eine neue Lösung finden.»

Chefentscheid war die Zusammenarbeit mit den KurierInnen in keinem der grösseren Betriebe. Es waren die Leute vom Empfang, diejenigen, die von den oberen Etagen Aufträge für Sendungen bekommen. Sie sind es ja auch, die mit den VelokurierInnen täglich im Kontakt sind, sie im Büro stehen haben. Und da schätzt man laut Verena Simon von Ernst & Young in der Regel «aufgestellte, freundliche Menschen».

Und dass der Berner Velokurier für viele KundInnen schon Aufträge erledigt hat, die zeitlich eigentlich gar nicht mehr möglich gewesen wären, macht ihn ebenfalls sympathisch und schweisst zusammen. «Was mich die Leute aus der Velokurier-Zentrale schon beruhigten oder einen Blödelspruch machten, wenn wir terminlich unter Druck waren – mir haben sie manch stressigen Tag erleichtert», erzählt Tom Nowacki vom Dentallabor Nowacki-Kernen.

So sind die VelokurierInnen für die StammkundInnen nicht einfach «irgendjemand, der irgendetwas abholt», wie es Vera Andrist vom Labor Viollier beschreibt. Man grüsst sich ab und an sogar privat auf der Strasse, und «wenns draussen schlechtes Wetter ist und die so tropfnass hier ankommen, tun sie mir schon leid».

Der Mitleidseffekt spielt vor allem bei den Damen. «Läck, seicht das draussen», denkt sich hingegen Bruno Schranz, wenn die KurierInnen durchnässt sind. Und: «Im Sommer stinken, im Winter schlottern sie.» So richtig emotional mag er da nicht werden. Andy Hebler von Basisdruck bleibt ebenfalls nüchtern: «Die machen ihren Job, wir machen unseren.» Die kleine Druckerei arbeitet seit ihrer Gründung mit dem Berner Velokurier zusammen und hat mit ihm mehr gemeinsam als die meisten anderen KundInnen. Ebenfalls in den 1980er-Jahren von jungen Leuten gegründet, hat sie eine genossenschaftliche Struktur und sind die MitarbeiterInnen politisch im linken Lager zu Hause.

Die anderen StammkundInnen interessieren sich in der Regel nicht gross dafür, wie sich der Velokurier betrieblich organisiert. «Man merkt, dass sich die Velokuriere mögen und kollegial untereinander verbunden sind – das hat sicher viel mit den Strukturen zu tun», erwähnt als einzige Daniela Burri, die Geschäftsführerin vom Blumengeschäft Ehrhardt, darauf angesprochen, was sie denn am Velokurier schätze. Neben Magali Fehlbaum vom EDA-Passbüro erwähnt Daniela Burri ebenfalls als Einzige von sich aus, dass für sie der umweltbewusste Transport enorm wichtig sei. «Blumen gehören zur Natur, die der Velokurier mit seiner Arbeit nicht kaputtmacht. Das passt zu uns.» Für viele andere KundInnen trifft Armin Heiniger von der Valiant Holding den Nagel auf den Kopf: «Der ökologische Aspekt ist ein angenehmer Nebeneffekt.»

Jugendlich, sportlich, aufgestellt, charmant, zuverlässig, schnell und angenehm ökologisch. Das alles ist der Berner Velokurier für seine KundInnen. Etwas Schlimmeres als «stinken» will partout niemandem einfallen. Im Gegenteil. Viele von Daniela Burris Kundinnen freut es gar besonders, wenn ein – wie sie zitiert – «knackiger Velokurier» mit einem schönen Blumenstrauss vor der Türe steht. Sexy also noch dazu. Und Sexyness ist sogar noch besser als Coolness (die im Übrigen von keinem einzigen Kunden attestiert wurde). Mehr braucht es nun wirklich nicht für erfolgreiches Geschäften.